LUFTÜBERWACHUNG VOM KÖNIG DES BAYERISCHEN WALDES

MdL Max Gibis informiert sich über Radrakuppeln am Großen Arber

04.11.2020
MdL Max Gibis und Hauptmann Matthias Gille am „Skywalk“ des Radomes, in dem das Radargerät RRP 117 untergebracht ist
MdL Max Gibis und Hauptmann Matthias Gille am „Skywalk“ des Radomes, in dem das Radargerät RRP 117 untergebracht ist

Die beiden Radome, umgangssprachlich zumeist Radarkuppeln genannt, am Gipfel des Großen Arbers sind allen Bewohnern des Bayerischen Wald bestens bekannt, entweder von Bildern oder aus eigener Sichtung. Auch wen allgemein bekannt ist, dass die Bundeswehr dort Luftüberwachung betreibt, so wissen die Wenigsten, was genau sich im Inneren der beiden Radome verbirgt. Der Landtagsabgeordnete Max Gibis, in dessen Stimmkreis sich der Gipfel des Großen Arbers befindet, hat sich nun ein Bild über das Innenleben und die Aufgaben der beiden Radarkuppeln gemacht. Hauptmann Matthias Gille, der Stellungskommandant der Einrichtung der Bundeswehr, gewährte ihm dabei faszinierende Einblicke.

Auch wenn die Einheit aus logistischen Gründe an die Bayerwaldkaserne des Panzergrenadierbataillons 112 (PzGrenBtl 112) in Regen angedockt ist, so bildet die Mannschaft der Radome am Großen Arber eine eigene Einheit der Bundeswehr, genauer gesagt der Deutschen Luftwaffe. Der AbgTZg 358 (Abgesetzte Technische Zug) der Luftwaffe mit seinem Technischen Offizier Hauptmann Matthias Gille mit 39 Köpfen betreibt die Radaranlage auf dem Großen Arber. Dabei ist sie dem Einsatzführungsbereich 3 (EinsFüBer 3) der Luftwaffe mit Sitz in Schönewalde in Brandenburg unterstellt, wo die Fäden von insgesamt 18 Luftüberwachungseinheiten in Deutschland zusammen laufen.


„Die Anlage wurde in den Jahren 1979 bis 1983 in rekordverdächtiger Zeit mit Kosten von lediglich 30 Mio. DM erbaut“, berichtet Hauptmann Matthias Gille dem Abgeordneten. „In Zeiten des Kalten Krieges war die Einrichtung als Bestandteil des integrierten Luftverteidigungssystems der NATO errichtet worden, um den Luftraum an der Nahtstelle zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt möglichst lückenlos überwachen zu können und gegnerische Luftaktivitäten bereits weit vor der Grenze feststellen zu können.“ Aber auch nach dem Fall der Mauer hat sich die Aufgabenstellung der Anlage auf dem Großen Arber unwesentlich verändert. „Wir sind weiterhin Bestandteil des NATO-Luftverteidigungssystem und überwachen zusammen mit den weiteren Luftüberwachungseinheiten in der Bundesrepublik den Luftraum über Deutschland und Zentraleuropa“, so Hauptmann Gille. Dabei geht es im Zusammenhang mit der Überwachung für die NATO, die von allen anderen Partnern ebenso geleistet wird, zumeist um die Beobachtung von gegnerischen Manövern oder der Überwachung von kleineren, gegnerischen Provokationen, die sich in Luftraumverletzungen bemerkbar machen.

„Daneben üben wir aber auch noch eine wichtige Aufgabe für die Bundesrepublik Deutschland aus, nämlich die Überwachung und Sicherung des Luftraums über Deutschland. Dabei nehmen wir die hoheitlichen Aufgaben der Bundesrepublik in der Luft wahr, wie etwa die Küstenwache an der Seegrenze oder die Polizei zu Lande“, führt Hauptmann Gille aus. Dabei schildert er dem Abgeordneten, wie die Arbeit dabei konkret aussieht und welche Schritte im Falle einer Luftraumverletzung eingeleitet werden. „Hauptaufgabe ist die Analyse der gemeldeten Flugrouten mit den tatsächlichen Bewegungen. Bei Abweichungen werden die entsprechenden Flugzeuge über Funk kontaktiert. Sollte auch auf diesem Wege keine Klärung der Situation möglich sein, wird Alarm ausgelöst und zwei Eurofighter steigen auf, um sich vor Ort die Lage anzusehen“, so der Hauptmann. „Dies passiert etwa 12-20 Mal im Jahr, wobei 99,9 % aller Einsätze auf technische oder menschliche Fehler zurückzuführen sind.“

Neben der Schilderung der Aufgaben gab der Einheitsleiter dem Abgeordneten Max Gibis auch einen Einblick in das Innere der Radome. Unter einer der beiden Kuppeln ist seit 1996 ein RRP 117 Luftraumüberwachungsradar von Lockheed Martin mit Sekundärradar von Airbus installiert, das in einem Radius von 400 Kilometern in Echtzeit den Luftraum überwacht. In der zweiten Kuppeln befinden sich die Sende- und Empfangsantennen für den Funkverkehr. „Dazu haben sich auch noch zahlreiche Mobilfunk- oder Fernsehanstalten eingemietet, weil sich der Standort anbietet“, so Matthias Gille. Die Anlage auf dem Großen Arber stellt eine komplette Kaserne dar, die mit Küche, Sporträumen und Übernachtungsmöglichkeiten ausgestattet ist, so dass die Einheit im Ernstfall auch autark betrieben werden kann. „Unsere Reserven an Treibstoffen und Nahrungsmitteln sind so kalkuliert, dass wir ohne weiteres ein paar Wochen lang autark arbeiten können.“

Einen besonderen Dank sprach Hauptmann Matthias Gille im Beisein des Abgeordneten Max Gibis noch den Arber-Bergbahnen, dem Fürstenhaus Hohenzollern sowie dem Markt Bodenmais aus. „Die Zusammenarbeit klappt reibungslos. Wir können im Sommer eine Zufahrtsstraße von Bodenmais aus zur Versorgung nutzen und im Winter werden wir ausschließlich über die Arber-Bergbahnen versorgt“, bringt Matthias Gille lobend an. Dabei führt ein Schrägaufzug von der Eisensteiner Hütte unterirdisch zum Radom, so dass das Personal auch im Winter bequem zum Arbeitsplatz gelangt. „Im Gegenzug unterstützen wir die Bergwacht im Rahmen unserer Kapazitäten immer wieder bei Rettungseinsätzen.“

Generell zeigte sich Hauptmann Matthias Gille vom Arbeitsplatz und von der Tätigkeit angetan. „Sowohl die Lage als auch die spannende Aufgabe machen die Arbeit zu einem Traumjob für alle, die hier arbeiten dürfen.“ Auch MdL Max Gibis zeigte sich beeindruckt vom Ausmaß der Anlage auf dem Arber-Gipfel sowie von der Bedeutung der Einrichtung für die Luftüberwachung in Zentraleuropa. Zum Abschluss äußerte Hauptmann Matthias Gille noch einen Wunsch an den Abgeordneten. „Demnächst soll die Anlage generalsaniert werden. Hier würde ich um eine zügige Bereitstellung der notwendigen Mittel bitten, so dass eine lückenlose Luftraumüberwachung langfristig sichergestellt ist.“